RWO zu Gast in Südkorea

Lindnerstraße meets Fernost

Als Thomas Hüfner und Hayrettin Celik den Rasen betreten, wirkt zumindest auf den ersten Blick alles wie immer: Im RWO-Dress stehen Oberhausens Leiter des Nachwuchsleistungszentrums und der U14-Trainer nebeneinander auf dem Grün, rings herum trainieren bereits die fleißigen Talente. Am Abfanggitter hinter dem Tor schwingt ein Banner in der Luft: „Very Welcome!“ heißt es dort auf etwas wackeligem Englisch. Herzlich Willkommen? Ach ja – da war ja was!

Die Szene, für beide Funktionäre eigentlich ein gewohntes Bild im RWO-Alltag, spielte sich diesmal nicht - wie sonst – auf dem Trainingsgelände an der heimischen Lindnerstraße. Auch die Gesichter der umher dribbelnden Kinder waren den beiden gänzlich fremd. Verwunderlich war das aber ganz und gar nicht: Für Rot-Weiß Oberhausen waren Hüfner und Celik zu Gast in Südkorea.

Auf der Suche nach dem nächsten Bum-Kun Cha

„Das Land gehört im asiatischen Raum zu den führenden Sportnationen. Im globalen Kontext hinken sie fußballerisch aber noch etwas hinterher“, schilderte der Junioren-Chef die Gründe für die Reise. Dem Ruf aus Fernost folgten Hüfner und Juniorentrainer Celik auf Nachfrage des vom DFB-Stützpunkttrainer Frank Peters mitbegründeten “Frank Peters Football College“, dass sich in der koreanischen Hauptstadt Seoul der Ausbildung junger Talente verschrieben hat. Bei der Suche nach dem Ausnahmetalent unter der Vielzahl begeisterter Nachwuchskicker soll RWO künftig behilflich sein. „In Südkorea ist man bei der Suche nach einem Kooperationspartner, mit dessen Hilfe man die sportliche Weiterentwicklung forcieren kann, auf Rot-Weiß Oberhausen gestoßen“, sagt Hüfner, der weiß, „dass das Potenzial da ist. In der Vergangenheit zeigten das schon einige Spieler.“ Neben Heung-Min Son, der aktuell in der englischen Premier League aktiv ist und durch seinen 2:1-Treffer im letzten Gruppenspiel das deutsche WM-Fiasko des vergangenen Sommers perfekt machte, muss der Nachwuchskoordinator dabei vor allem an die Erfolge von Südkoreas erstem Star-Fußballer denken: „Bum-Kun Cha war viele Jahre lang  für Bayer 04 Leverkusen aktiv und gilt auch weit nach seiner aktiven Zeit in den 1970er- und 80 Jahren noch als fußballerisches Aushängeschild des Landes.“

Trainer-Austausch und Talent-Sichtung

Zurück in der Gegenwart wird jedoch schnell klar: Bis aus der für ihre Ungeduld bekannten, südkoreanischen Gesellschaft der nächste Wunderstürmer hervorgehen kann, muss noch einiges geschehen. „Die Verhältnisse sind weit von denen, die wir in Deutschland kennen, entfernt. Der Fußball hat hier keine professionellen Strukturen“, befindet U14-Trainer Celik. Ein Glück, dass die Koreaner in der allgemeinen Wahrnehmung im selben Maße fleißig sind, wie es ihnen manchmal an Geduld abgeht: „Der Einblick in den gesellschaftlichen Alltag zeigt, wie zielstrebig und diszipliniert die Menschen hier sind“, erklärt Celik weiter.

Ihre kulturellen Eindrücke von der Reise konnten Celik und Hüfner erst zurück in Oberhausen richtig reflektieren. „Das ist aber auch kein Wunder“, erklärten die beiden – gemäß der koreanischen Einstellung zum Thema Disziplin sei dafür in Seoul eben nur wenig Zeit gewesen. „Die Tagesabläufe waren immer sehr eng getaktet und von großer Gastfreundlichkeit geprägt. Nach dem Essen ging es schnell zum Training, von dort weiter zum Kaffee und zum nächsten Essen“, ließ Hüfner die Reise Revue passieren. Wie RWO dem Land der Gastfreundschaft sportlich weiterhelfen kann, war den Oberhausenern indes bereits vor Ort klar. Die Devise: Trainer ausbilden und Talente sichten – auch im eigenen Interesse: „Es ist geplant, Trainer-Hospitanzen durchzuführen, von denen die südkoreanischen Kollegen profitieren. Neben Testspielen, die ebenfalls geplant sind, will Rot-Weiß Oberhausen aber natürlich auch im eigenen Interesse nach Talenten Ausschau halten, die für den deutschen Markt interessant sein könnten“, erklärt Hüfner die Kooperation. „Interessante Spieler, die RWO ab der B- oder A-Jugend verstärken könnten“, so der Leiter des Leistungszentrums weiter, „sollen für ein paar Termine im Jahr nach Oberhausen eingeladen und so in unserem Nachwuchsleistungszentrum mit ausgebildet werden.“ Wer weiß – vielleicht ist ja der nächste Cha dabei...

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