Nach 2:2 im Derby hadern beide Seiten mit dem Match

Geteilter Ärger ist doppelter Ärger

Fast wäre es wie immer in den letzten Jahren bei Punktspielen zwischen Rot-Weiß Oberhausen und der Mannschaft aus der gleichfarbigen Nachbarschaft gewesen: Wetter mies, Match ganz gut, Punkte für Oberhausen. Das war diesmal vor allem im letzten Punkt anders, und deswegen ärgerten sich auch beide Seiten, auch wenn bei den Kleeblättern, die das letzte Tor des Tages in der 89. Minute erzielt hatten, gewissermaßen diebische Freude aufkam.

Vor stimmungsvoller, aber nicht übergroßer Kulisse hatte zunächst RWE das Heft in der Hand. RWO zog sich zurück und ließ Essen kommen. In Essen hatten dortige Zeitungen für zusätzliches Gift gesorgt, indem sie Erfundenes und Halbwahres zu einem ebenso respektlosen wie unappetitlichen Cocktail gemixt hatten. Die Oberhausener Spieler ließen sich davon nicht anstecken, sie blieben cool und brauchten auch nur ein einziges Mal besorgt zu gucken, als urplötzlich Kamil Bednarski ziemlich allein vor Robin Udegbe auftauchte. Udegbe parierte mit einer Klasseparade.

Mit der Zeit lief Essen sich müde, und nun setzte Oberhausen an. Mehr Präzision wäre manchmal nötig gewesen, aber auch so erwies sich rasch, dass die RWE-Abwehr nicht unbedingt ein Bollwerk darstellt. Trotz längenmäßiger Überlegenheit guckten die Nachbarn ziemlich dumm aus der Wäsche, als Tim Hermes von rechts eine Freistoßflanke in den Strafraum brachte, die geschickt auf Patrick Bauder verlängert wurde, der zum 1:0 eindrückte. Da verstummten auch die ebenso unflätigen wie einfallslosen Fangesänge aus der Kanalkurve. So ging's in die Pause, und es hätte da schon 2:0 stehen müssen, aber Arnold Budimbu und Simon Engelmann waren zu zögerlich, zu umständlich.

Nach dem Seitenwechsel sollte RWO weiter so spielen, aber die Terranova-Elf hörte nicht auf ihren Coach, zog sich weit zurück und tat so, als wollte sie das 1:0 verwaltend über die Zeit bringen.

Das rächte sich binnen zwei Minuten: Erst klärte Oliver Steurer (ansonsten wieder sehr gut) zu spät und zum Eckball, dann ergab sich ein Tiki-Taka zwischen Freund und Feind, bis der aufgerückte Bednarski an den Ball kam und seelenruhig einsandte (59.).

Das war ein Weckruf, aber zunächst eher für Essen. Daniel Baier flankte von rechts, und Robin Udegbe schien den hohen Ball sicher aus der Luft zu pflücken, doch Marcel Platzek hatte er glatt übersehen – Kopfball zum 1:2 (61.). Patrick Bauder übrigens nahm das Tor sofort auf seine Kappe, befreite so auch seinen Torwart von vorschneller Verurteilung. Er hatte die Platzek-Bewachung zu früh aufgegeben, weil er spekuliert und die Situation schon vor der Flanke für bereinigt gehalten hatte.

Die Situation war schwierig, denn RWE hatte nun alle Zeit der Welt, und RWO drohte sie davonzulaufen. Aber das Kleeblatt zeigte Moral, und der Trainer bewies Händchen und Geschick beim Wechseln. Raphael Steinmetz und später Davud Tuma brachten frischen Schwung und die Gäste in Verlegeneit. Tuma bekam Freistöße, Steinmetz war gefährlich. Und dann muss man auch mal etwas Glück haben: Robert Fleßers legte sich den Ball in der 89. Minute zurecht, nahm Maß und fabrizierte ihn kunstvoll in den Giebel. Das war der Ausgleich, und wären mehr als drei Minuten nachgespielt worden, der wankende Gegner hätte mit leeren Händen den Weg zur Hafenstraße antreten müssen.

Daten zum Spiel

RW Oberhausen: Udegbe – Reinert, Nakowitsch, Steurer, Hermes – Bauder, Fleßers – Budimbu, Garcia – Kaya, Engelmann

RW Essen: Heimann – Malura, Zeiger, Meier, Huckle – Baier, Bednarski – Rabihic, Ngankam, Grund – Platzek

Wechsel: Odenthal (60. für Kaya), Steinmetz (68. für Garcia), Tuma (78. für Hermes) – Löning (78. für Ngankam), Becker (89. für Grund)

Bank: Wozniak (Tor), Weigelt, Tunga Malanda, Sezen – Heller (Tor), Weber, Lucas, Brauer, Demircan

Tore: 1:0 Bauder (35.), 1:1 Bednarski (59.), 1:2 Platzek (61.), 2:2 Fleßers (89.)

Gelbe Karten: Hermes, Nakowitsch – Rabihic, Platzek, Ngankam

Schiedsrichter: Fabian Maibaum

Zuschauer: 5573

Das sagten die Trainer

RWE-Coach Sven Demandt: Wir haben ein gutes Spiel gemacht, sind sogar sehr gut angefangen, haben aber versäumt, da ein Tor zu erzielen. Oberhausen kam dann besser ins Spiel, und ich hatte vor den gefährlichen Kontern und Standards gewarnt. Ausgerechnet aus einem Freistoß fällt der Gegentreffer. Wir sind sehr gut in die zweite Halbzeit gekommen und verdient in Führung gegangen. Ich hatte immer das Gefühl, heute keinen mehr zu kriegen, aber es war so. Das füht sich momentan nicht so gut an.

RWO-Coach Mike Terranova: Die Zuschauer haben ein sehr gutes Spiel beider Mannschaften gesehen. Wir hätten gewonnen, wenn wir uns nicht anfangs der zweiten Halbzeit so ungut verhalten hätten. Wir wollten Essen kommen lassen, aber nicht so. Wir wollten sie kommen lassen, damit wir dann schnell in die Schnittstellen spielen. Das ist uns so nicht gelungen. Trotzdem gab es Chancen über Konter, die man auch mal nutzen muss. Ich finde toll, dass die Mannschaft große Moral bewiesen hat und bis zum Schluss alles in die Waagschale geworfen hat. Dafür ist sie belohnt worden, und das geht in Ordnung.

Foto: Herbert Bahn

Aktuell